Ist ein pränataler (vorgeburtlicher) Vaterschaftstest ohne Fruchtwasser möglich?
Kurz: Nein, das ist nicht möglich oder besser gesagt, noch nicht !
Immer wieder erhalten wir Anfragen von interessierten, schwangeren Frauen, die wissen möchten, ob man einen vorgeburtlichen Vaterschaftstest auch nur mit dem Blut der Mutter machen könne, ohne eine Fruchtwasserprobe nehmen zu müssen. Dies ist leider nicht möglich.
Es ist schon lange bekannt, daß im Blut der Mutter Zellen des Kindes unterwegs sind. Mit anderen Worten, es gilt für den Wissenschaftler die Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Denn um an die DNA des ungeborenen Kindes zu gelangen, müssen Zellen des Kindes von Zellen der Mutter sicher separiert werden. Dies ist nach meinem Informationsstand nicht möglich und schon gar nicht in einer Routineuntersuchung, die für 1.000 US Dollar zu haben sei, wie ein nordamerikanisches Unternehmen wirbt. Aber Vorsicht, auch wenn man dort zusätzlich damit wirbt, daß der Bluttest nur die Hälfte des konventionellen Tests (Fruchtwasseruntersuchung) kostet, weil ja die Fruchtwasserprobenentnahme entfällt, so ist fraglich, ob der Test auch funktioniert. Um die Seriosität des angeblich funktionierenden Bluttests zu untermauern, zitiert man dort einen Science Artikel von 2005. Science ist eine der renomiertesten Zeitschriften in denen ein Wissenschaftler publizieren kann, so kann man denken, das der Test auch funktionieren wird. Weit gefehlt, denn wenn man den wenig aussagekräftigen Bericht aus der „News Section“ von Science gelesen hat, so ist man kaum schlauer als zuvor. Es handelt sich dabei auch nicht um eine wissenschaftliche Publikation, sondern lediglich um eine Nachricht, die ein Journalist geschrieben hat, ganz ähnlich wie Nachrichten über Fusionsreaktoren, die seit mehr als 30 Jahren immer mal wieder in der Presse auftauchen. Der Nachrichtenbericht erwähnt z.B. eine Forschergruppe an der Chinese University of Hong Kong. Bei den Forschungen geht es keineswegs nur um den pränatalen Abstammungstest, sondern um die generelle Möglichkeit von genetischen Analysen am Ungeborenen. Würde das funktionieren, wäre dies eine wunderbare Sache, könnte man doch auf das unangenehme Verfahren der Amniocentese (Fruchtwasseruntersuchung), bei der mit einer Nadel Fruchtwasser entnommen wird, verzichten. Diese Methode enthält nämlich eine Reihe von Risiken, insbesondere für das Kind!
Könnte man Zellen des Kindes oder DNA des Kindes aus dem Blut der Mutter abtrennen, würde kein Ungeborenes mehr durch Probenentnahmen zu Schaden kommen. Es lohnt sich also allemal auf eine solche Methode zu hoffen. Allerdings sollte man nicht nur nach Nordamerika schauen, sondern eher nach Asien, z.B. nach China oder Korea. Dort dürfte das meiste know how zu diesem Thema vorliegen.
Allerdings wird dort nicht so intensiv geforscht, um einen nichtinvasiven Abstammungstest zu ermöglichen, sondern um u.a. frühzeitig das Geschlecht des Kindes durch einen DNA Test bestimmen zu können. Gerade das, was in westlich orientierten Ländern als verwerflich eingestuft wird, hat in Asien sehr hohe Priorität. Jedoch, vielleicht werden die Asiaten auch unterschätzt und es geht nicht nur darum, daß das Kind das richtige Geschlecht hat. Schauen Sie sich in China mal ein Kinderkrankenhaus an. Da werden Sie staunen, was da los ist! Für die Gesundheit der Kinder wird auch in China alles nur Menschenmögliche unternommen. In dem News Bericht aus Science wird auch kurz auf das Y-Chromosom eingegangen. Beim Lesen kann man den Eindruck bekommen, wenn überhaupt, könne man im Blut der Mutter nur nach Zellen eines männlichen ungeborenen, eben nach einem Y-Chromosom fahnden, denn die Mutter hat ja kein Y-Chromosom. Aber was ist dann mit Mädchen? Was man dann mit einem pränatalen Vaterschaftstest anfangen soll, mit dem man sowieso nur männliche Kinder untersuchen kann, bleibt in Europa ein Rätsel. Vielleicht sollte mal einmal die Gruppe der Wissenschaftler an der Chinese University of Hong Kong dazu befragen. Allerdings könnte es sein, dass man wenn man kein Y-Chromosom im Blut der Mutter finden kann, auf ein weibliches Geschlecht schliesst. So könnte man das Geschlecht möglicherweise indirekt bestimmen. Sollte dies so sein, muss man hoffen, das dabei keine Fehler passieren, denn es ist bekannt, dass Zellen des Kindes noch lange nach der Geburt im Blut der Mutter unterwegs sind.
Der wissenschaftliche Fortschritt in der molekularen Biologie ist rasant schnell und ich kann nicht ausschließen, daß von mir unbemerkt ein neues nichtinvasives Pränataldiagnostikverfahren zur Bestimmung der Abstammungin die Routinediagnostik Einzug hält. Ich bin dankbar für jede Information zu diesem Thema. Schicken Sie mir eine email oder rufen Sie mich an, wenn Sie eine entsprechende und valide Information haben.
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